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Verweise

Wertanalyse

Die Wertanalyse (auch: value analysis, Gemeinkosten-Wertanalyse, value engineering, Funktionskostenanalyse) wurde erstmals 1947 in den USA bei General Electric angewandt und von Larry D. Miles entwickelt. Seit 1973 ist sie in Deutschland durch die DIN 69910 genormt.

Als Wertanalyse bezeichnet wird in der Wirtschaft ein Verfahren zur Untersuchung von Verwaltungsabläufen und Produkten mit dem Ziel, im Einkauf die Kosten zu reduzieren, das Produkt funktionsorientiert zu optimieren und die Zusammenarbeit hinsichtlich Motivation, Kooperation und Kommunikation zu verbessern. Mit ihrer Hilfe sollten also sämtliche Kosten minimiert werden, die nicht für die Funktion bzw. den Wert eines Produktes notwendig und relevant sind, ohne dass die Marktfähigkeit, Qualität und Zuverlässigkeit eines Produktes negativ beeinflusst werden. 

Dabei versucht diese Systematik grundsätzlich, sich mit dem Produkt sowohl in seinen einzelnen Bestandtteilen als auch in seiner Gesamtheit auseinanderzusetzen, basiert also auf einer ganzheitlichen Lösungsfindung. Zentraler Maßstab ist stets der Begriff des Wertes, der sich durch das Verhältnis Nutzen / Aufwand definiert und durch den Einsatz der Wertanalyse weiter gesteigert werden soll. Sowohl bestehende Produkte sollen auf diese Weise optimiert werden, als auch solche, die sich erst in der Entwickung befinden (Wertgestaltung).

 In Gemeinkostenbereichen werden im Zuge einer Wertanalyse folgende Fragen gestellt:

Durchgeführt wird die Wertanalyse meist von einem Team aus 6-8 Projektmitgliedern, die bestenfalls alle einen direkten Bezug zum herzustellenden Erzeugnis haben. Werden Sachverhalte behandelt, für die das Team nicht die notwendigen Kompetenzen besitzt, werden externe Experten hinzugezogen. Die Moderation und Leitung wird in der Regel von einem erfahrenen Wertanalytiter mit VDI Ausbildung übernommen.

Zu Beginn einer Wertanalyse müssen die Kostenbestimmungfaktoren mittels ABC-Analyse gruppiert werden. Zu Gruppe A gehören dabei die Faktoren, die für 80 % der Herstellungskosten verantwortlich sind. Auf diese Gruppe konzentriert sich die Wertanalyse, da hier das größte Sparpotential besteht. Zu Gruppe B und C zählen die restlichen Kostenbestimmungsfaktoren.

Anschließend muss die Produktsituation analysiert werden (Funktions- und Kostenanalyse). Nach eienr Funktionsbeschreibung und Einteilung in Gebrauchs- und Geltungsfunktionen erfolgt eine Differenzierung nach Haupt- und Nebenfunktionen. Die Gründlichkeit dieser Funktionsanalyse stellt die Basis für den Erfolg der Arbeit dar, mit dem Ziel, die Nebenfunktionen zu verringern bzw. unnötige Funktionen zu eliminieren. Bei der Kostenanalyse werden sämtliche Funktionenkosten wie Material, Fertigung, Montage sowie Investitions-, Planungs- und Dispositionskosten miteinbezogen. Hier werden Kostenschwerpunkte ermittelt und Kostenvergleiche angestellt um festzustellen, welche Anteile auf die einzelnen Funktionen entfallen.

Im weiteren Verlauf werden für das Produkt Soll-Funktionen ermittelt (Funktionen, auf die man nicht verzichten kann) und mit den Ist-Funktionen verglichen. Nun werden mithilfe verschiedener Techniken (z.B. Brainstorming, Delphi- und Kreativitätstechnik etc.) Lösungsansätze entwickelt, mit denen die Soll-Funktion realisiert werden kann. In einer anschließenden Wirtschaftlichkeitsprüfung werden diejenigen Lösungen ermittelt, bei der die vorgegebenen Funktionen zu den geringsten Kosten verwirklich werden können. Abschließend werden die passenden Lösungen ausgewählt und anschließend realisiert.

Der Ansatz der Wertanalyse hat sich bereits seit Jahrzehnten bewährt und erreicht durch die Eliminierung sämtlicher unnötiger Kosten in der Praxis bis zu 50 % Kostensenkungen und Leistungsverbesserungen.