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Armutgrenze

Die Armutsgrenze bezeichnet eine imaginäre Linie zwischen Armen und Reichen, also ein Einkommen, unterhalb dessen keine geregelte Lebensführung mit allen notwendigen Ressourcen mehr möglich ist. Durch von Ort zu Ort unterschiedliche Lebenshaltungskosten bewegt sich die Grenze zwar innerhalb eines Landes meist um einen festen Wert, variiert jedoch je nach Region (z.B. urban – ländlich; warmes – kaltes Klima).

Zur Vergleichs- und Armutbekämpfungszwecken ist die Grenze in der Wirtschaft ein wichtiger Maßstab. Keine Gesellschaft hat zum Interesse, eine hohe Armutsquote (Prozentzahl der Einwohner, die unter der Armutsgrenze leben) vorweisen zu können, die sich negativ auf das ökonomische Wachstum auswirkt. Daher ist es wichtig, Armut in Zahlen ausdrücken zu können.

Um die Armutgrenze generell festzustellen, werden sämtliche lebenswichtigen Ressourcen eines Erwachsenen im Zeitraum von einem Jahr berücksichtigt und deren Kosten summiert. Wirtschaftswissenschaftler richten hier meist ihr besonderes Augenmerk auf den Immobilienmarkt als wichtigen Einflußfaktor, das der größte Kostenfaktor häufig die Miete bzw. Grundstückspreise darstellen.

Die Weltbank hat die Armutsgrenze bei einem US-Dollar pro Tag festgelegt. Diesem Wert nach lebt rund ein Sechstel der Weltbevölkerung in absoluter Armut. Hierbei muss jedoch (besonders in Industrieländern) auch der Wert der relativen Armut berücksichtigt werden. Meist liegt die relative Armutsgrenze bei 50 Prozent des durchschnittlich verfügbaren Äquivalenzeinkommens in einem Land. Wer also in der EU beispielsweise weniger als die Hälfte des Medians des Netto-Äquivalenzeinkommens zur Verfügung hat, gilt als einkommensarm. Wer weniger als 60 Prozent zur Verfügung hat gilt als relativ einkommensarm.

Das Statistische Bundesamt initiierte 2004 eine Statistik zur Armutsgrenze, an der sich 14 europäische Länder beteiligten und im Rahmen derer sich innerhalb Deutschlands 13.000 Haushalte zu ihren Einkommensverhältnisse befragen liessen. Nach den Ergebnissen waren im Jahr 2004 13 Prozent der Deutschen armutsgefährdet (entspricht ca. 10,6 Millionen Menschen), darunter befanden sich 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren.  Soziale Transferleistungen wie ALG II oder Kindergeld verhindern, dass 56 Prozent der allein Erziehenden armutsgefährdet sind. Die Sozialtransfers inbegriffen sind es immer noch 30 Prozent.